Internet of Things

Die Rückkehr ins Büro – das IoT als entscheidendes Puzzlestück

Autor: Armin Anders, Vice President Business Development, EnOcean
Ausgabe 02-2021: alle Artikel online lesen als PDF lesen

WLAN Access Points als Game Changer für den schnellen und kosteneffizienten Rollout von flexiblen Arbeitsplatzlösungen

Viele haben es vermutet, jetzt zeigt die Realität: Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Vor der Krise arbeiteten rund 4 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland von zu Hause aus. Während des ersten Lockdowns waren es laut Statista rund 30 Prozent. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die meisten Unternehmen und Arbeitnehmer künftig auf eine Mischung aus Präsenz- und Bürotagen setzen werden. Ein einfaches Zurück zu Vor-Corona-Zeiten wird es also nicht geben. Damit ist es an der Zeit, die bisherigen Arbeitsplatz- und Flächenkonzepte zu überdenken.

IoT-Lösungen als Datenquelle

IoT-Lösungen liefern die nötigen Daten, um die Flächennutzung zu analysieren und zu optimieren. Ein Beispiel ist die vermehrte Einführung von flexiblen Desktop Sharing-Modellen, um einem künftigen Mix aus Homeoffice und Präsenztagen gerecht zu werden. IoT-Lösungen, die das Gebäude mit Sensoren intelligent vernetzen, bilden die Grundlage dafür. Bisherige Projekte zeigen, dass es nicht ausschließlich darum geht, die Kosten durch Flächenminimierung zu reduzieren. Primäre Zielsetzung ist es, den Mitarbeitern ein produktives Miteinander zu ermöglichen. In Hybridmodellen ist daher vor allem die Funktion der Fläche wichtig: Mehr Austausch, Kreativität und Komfort für die anwesenden Mitarbeiter resultiert in einer höheren Produktivität.

Anwendungsbeispiele

IoT-Lösungen in Gebäuden sind den Kinderschuhen entwachsen und bieten einige praxiserprobte und interessante Anwendungen:

1. Raum- und Arbeitsplatzbuchung

Vor allem Mitarbeiter, welche die Möglichkeit von Homeoffice nutzen können und wollen, verzichten im Gegenzug auf einen festen Arbeitsplatz. So generiert der Trend zu mehr Homeoffice die Mitarbeiterakzeptanz für moderne Arbeitswelten. Verbessertes Teamwork, gesteigerte Firmenattraktivität für High-Potentials und Vermeidung von demotivierendem Flächenleerstand sind die Folge. 

Das einfache Beispiel „Reservieren von Besprechungsräumen“ verdeutlicht die Vorteile. Sensoren senden in Echtzeit Daten über die Belegung eines Tisches oder Raums an die IoT-Anwendung, die die Flächenauslastung analysiert und den aktuellen Raumstatus an eine Mitarbeiter-App weiterleitet. Arbeitsumgebungen passen sich so dynamisch dem Bedarf an.

2. Bedarfsorientierte Reinigung

An öffentlichen Plätzen wie z.B. Bahnhöfen, aber auch in Unternehmen wird das Smart Cleaning zu einer interessanten IoT-Anwendung. Ist der Seifenspender leer oder hat eine definierte Anzahl von Personen den Raum betreten, wird basierend auf den Sensordaten das Reinigungspersonal verständigt. Das sogenannte Smart Cleaning erhöht die Zufriedenheit der Besucher und spart Kosten durch einen bedarfsgenauen Personaleinsatz.

smart cleaning is a one of the IoT use cases that pay off quickly
Funkbasierte Sensoren informieren über den Zustand einer Toilette. Wann ist der beste Zeitpunkt für den Einsatz einer Reinigungskraft?

3. Wohlbefinden der Mitarbeiter

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter kann – abgesehen von Krankmeldungen – schwer objektiv zu messen zu sein, beeinflusst aber die Produktivität im Unternehmen deutlich. Definierbare Rahmenbedingungen wie ein angenehmes Raumklima mit automatischer Messung des CO2-Gehalts sind jedoch leicht zu bedienende Stellschrauben. Darunter fällt auch ein sinnvolles Desk Sharing-Modell, das den Bedürfnissen der Mitarbeiter nach flexiblen Arbeitsmodellen entgegenkommt.

4. Energiesparen

Der Klassiker in der Gebäudeautomation ist das Einsparen von Energie und damit CO2. Gebäude sind immerhin mit die größten CO2-Verursacher in Europa. Unternehmen werden außerdem immer stärker am Faktor Nachhaltigkeit gemessen. Bei Gebäuden können sie relativ einfach ihren CO2-Fußabdruck reduzieren: Beispielsweise geht das Licht automatisch in leeren Räumen aus, die Heizung schaltet sich bei geöffnetem Fenster ab, ungenützte Räume werden nicht geheizt.

Infrastrukturen einbinden

In zahllosen Proof of Concepts funktionieren die oben genannten IoT-Anwendungen bereits seit Jahren tadellos. Einer der Kostentreiber waren bisher Gateways, die oft in hoher Anzahl benötigt wurden, und vor allem deren notwendige Verkabelung. EnOcean hat mit dem IoT Connector einen Weg gefunden, an der Kostenschraube erheblich zu drehen, indem er die WLAN-Schnittstellen der vorhandenen IT-Infrastruktur zur Datenübertragung nutzt. EnOcean hat dazu zum Beispiel mit Aruba eine Partnerschaft geschlossen und kann so zahlreiche vorhandenen Wireless LAN-Lösungen in Unternehmen bedienen.

Kurz erklärt funken die Sensoren ihre Daten über einen eingesteckten USB-Stick an die vorhandenen – oder ohnehin benötigten – WLAN Access Points der Netzwerkanbieter. Von dort werden die Daten an die in der Cloud laufende IoT-Anwendung weitergeleitet. Der IoT-Datenkanal ist dabei vollständig abgekoppelt vom WiFi-Datenkanal, Sicherheitsbedenken sind damit unbegründet. Funk-Gateways sind in solchen Umgebungen nicht mehr notwendig.

Beispielrechnung

Zusammen mit unseren Partnern e-shelter, NTT und Thing-it haben wir für ein internationales Unternehmen der Sportartikelbranche ein umfangreiches IoT-Projekt umgesetzt. Ziel war es, die möglichst flexible Nutzungserfassung und Buchung sowohl der Arbeitsplätze als auch der Besprechungs- und Ruheräume zu realisieren. Hierzu wird durch Tisch- und Raumbelegungssensoren sowie Personendurchgangszähler die jeweilige Belegung in Echtzeit erfasst und an das cloudbasierte Buchungs- und Visualisierungssystem weitergeleitet.

Im Rahmen des Projekts wurden neun Gebäude mit einer Gesamtfläche von 150.000 Quadratmetern, die auf drei Standorten in Europa und den USA verteilt sind, mit rund 8.000 energieautarken Sensoren ausgestattet. e-shelter hat berechnet, dass IoT-Gateways und vor allem deren notwendige Verkabelung rund 50 Prozent zusätzliche Projektkosten zu den eigentlichen Sensorkosten verursachen. Diese Infrastrukturkosten werden durch die Nutzung der vorhandenen WLAN Access Points schlicht eliminiert!

Für ein solches Projekt ist ein Partnernetzwerk wie zum Beispiel die EnOcean Alliance von großem Vorteil. Rund 400 Mitglieder gewährleisten die Interoperabilität der Produkte und Systemkomponenten, die in einem solchen Projekt reibungslos zusammenspielen müssen.

Bürosterben in Sicht?

Für jeden Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz zu reservieren, gehört der Vergangenheit an. Dies war selbst vor Corona nie wirklich effektiv, aber es fehlte die Motivation zur wirklichen Veränderung.  Berechnungen zeigen, dass bereits vor Corona ein Schreibtischarbeitsplatz bedingt durch Urlaub, Krankheit oder Geschäftsreisen durchschnittlich nur zu rund 60 Prozent ausgelastet war. Mit Homeoffice wird dies nun noch wesentlich gesteigert und damit auffälliger.

Die neuen Arbeitsmodelle sind dabei sich zu etablieren und erfordern eine andere Flächennutzung. Zu einem Bürosterben wird es wohl nicht kommen, aber es wird eine Flächenanpassung geben. IoT-Anwendungen können Unternehmen und Facility Managern dabei helfen, die Flächennutzung automatisiert zu analysieren und flexibel den wechselnden und zukünftigen Bedürfnissen anzupassen. Solch eine Lösung muss durch offene Schnittstellen leicht skalierbar, kostengünstig, flexibel und vor allem wartungsfrei sein – energieautarke Sensoren und eine aufwandsminimale Anbindung über WLAN Access Points sind dafür bestens geeignet.

www.enocean.de

Über Perpetuum

Perpetuum ist das Kundenmagazin von EnOcean mit Fokus auf Lösungen und Produkten rund um die Energy Harvesting-Technologie. Sie liefert ressourcenschonend, energieautark und wartungsfrei die Daten für das Internet der Dinge und ermöglicht damit intelligent nutzbare Gebäude, Städte und Industrieanlagen. In den Rubriken Internet of Things, Smart Building, Smart Lighting und Smart Home kommen vor allem die Partner von EnOcean mit ihrer Fachkompetenz zu Wort.

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