Smart Home

Von Äpfeln und Birnen

Autor: Prof. Dr.-Ing. Michael Krödel, Hochschule Rosenheim
Ausgabe 01-2015: alle Artikel online lesen als PDF lesen

Äpfel von Birnen zu unterscheiden, ist leicht. Aber auch Äpfel untereinander können komplett anders aussehen oder schmecken. Die eine Sorte ist süßer und die andere säurereicher. Was jemandem am besten schmeckt, kann nur die Person selbst entscheiden. Vor dem Reinbeißen sollte derjenige aber sehr wohl wissen, was ihn erwartet.

Mit Smart Home-Systemen ist es genauso. Am Markt befinden sich inzwischen viele unterschiedliche Technologien und Produkte. Derzeit gibt es allerdings keine allgemeingültige, systematische Auflistung der Anforderungen, die ein Smart Home-System auszeichnen. Genügt schon die Fähigkeit, einen Zwischenstecker über das Smartphone ein- und auszuschalten? Oder muss eine Lösung sämtliche Funktionen der VDI-Richtlinie 3813 („Raumautomation“) umsetzen können? Wichtig ist es also, die Funktionalität schnell und einfach erfassen zu können, um selber zu bewerten, wie „smart“ ein Smart Home-System wirklich ist – und ob es dazu geeignet ist, die Anforderungen eines geplanten Projekts zu erfüllen.

Kostenloses Online-Tool bewertet Systeme

Über ein kostenloses Online-Tool können Anwender genau solch eine Erfassung jetzt selber durchführen. Die Eingaben können bequem über den PC am Arbeitsplatz erfolgen oder auch von unterwegs über ein Tablet. So können beispielsweise Messebesucher die Gespräche mit unterschiedlichen Firmen sofort protokollieren und damit vermeiden, nach dem fünften die Inhalte des ersten Gesprächs schon wieder vergessen zu haben.

Das Tool fragt die Möglichkeiten der unterschiedlichen Gewerke Heizung, Licht, Verschattung etc. systematisch ab. Dabei wird bewusst nach Optionen und nicht nach technologischen Details gefragt. Mit welcher Technologie die Funktionen umgesetzt werden, ist für den Nutzer und die Funktionalität zunächst egal. Gemäß Alexander Schaper, Geschäftsführer der SmartHome Initiative Deutschland e. V., gilt: „Das beste System ist das, was meine Anforderungen zuverlässig umsetzt.“

Gastbeitrag der Hochschule Rosenheim Von Äpfeln und Birnen

Möglichkeiten eines Smart Home abfragen

Was alles mit einem Smart Home-System möglich ist, hängt sehr stark von der Verfügbarkeit von Aktoren und Sensoren ab. Dies wiederum sollte sich schnell im Hinblick auf den Produktkatalog eines Herstellers oder im Gespräch mit einem Firmenvertreter ermitteln lassen. Deshalb sollte das Erfassen eines Systems in weniger als 15 Minuten möglich sein.

Dazu ein Beispiel: Wer das Deckenlicht dimmen möchte, benötigt nicht nur einen Dimmaktor, sondern diesen auch als UP-Variante (Unterputz). Immerhin endet üblicherweise das Kabel, an das die Deckenleuchte anzuschließen ist, in einer UP-Dose neben der Zimmertür. Wer einen ganzen Stromkreis spannungsfrei schalten möchte (z. B. im Rahmen einer Alles-aus-Schaltung bei Abwesenheit), der braucht womöglich einen Schaltaktor in REG-Ausführung (Reihen-Einbau-Gerät für die Hutschiene im Verteilerkasten). Wenn eine Steh- oder Tischleuchte angesteuert werden soll, ist hingegen ein Dimmaktor als Zwischenstecker die beste Lösung. Für die Ansteuerung einer einzelnen Kaffeemaschine benötigt man einen Schaltaktor als Zwischenstecker.

Nun haben viele Hersteller nicht alle Varianten an sowohl Schalt- als auch Dimmaktoren im Programm. Man kann sich also schnell ausmalen, was dann alles nicht möglich ist. Vielleicht sind diese Systeme für ein Projekt trotzdem geeignet, weil sich die Anforderungen in Grenzen halten. Trotzdem sind solche Systeme zwangsläufig weniger „smart“ als die, die alle Möglichkeiten anbieten.

Gastbeitrag der Hochschule Rosenheim Von Äpfeln und Birnen

Nahtlos funktionierende Lösungen erkennen

Unter www.igt-institut.de/smarthome/onlineerfassung findet sich das Tool unter der Bezeichnung „Online-Erfassung“. Beim Ausfüllen empfiehlt es sich, sich darauf zu reduzieren, was ein Endanwender als funktionierendes System von einem Anbieter (sei es direkt vom Hersteller oder als geprüfte Gesamtlösung über einen Systemintegrator) beziehen kann. Wenn erforderliche Sensoren und Aktoren nicht im selben Katalog stehen, sondern mit dem Hinweis angeboten werden man könne diese über (trickreiche) Kopplungen verbinden, dann ist das eher Plug-and-Pray statt Plug-and-Play.

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Perpetuum ist das Kundenmagazin von EnOcean mit Fokus auf Lösungen und Produkten rund um die Energy Harvesting-Technologie. Sie liefert ressourcenschonend, energieautark und wartungsfrei die Daten für das Internet der Dinge und ermöglicht damit intelligent nutzbare Gebäude, Städte und Industrieanlagen. In den Rubriken Internet of Things, Smart Building, Smart Lighting und Smart Home kommen vor allem die Partner von EnOcean mit ihrer Fachkompetenz zu Wort.

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